Johanna Kohnen

Eisprung auslösen: Hormonbehandlung mit Clomifen bei Kinderwunsch

Liegt es an der Frau oder an dem Mann? Liegt es am Stress? Gibt es Funktionsstörungen bestimmter Hormone oder liegt es an der Spermienqualität des Mannes? Erste Hinweise für eine Hormonstörung können beispielsweise ein unregelmäßiger oder auffälliger Zyklus liefern. Eine Reihe von Untersuchungen können erforderlich sein, um der Problematik auf den Grund zu gehen.

Grafik: Zyklus eines Follikels

Hormonelle Stimulation

Die hormonelle Stimulation ist einer der vielen Therapieformen, die sich der Hormonstörung als Ursache für weibliche Unfruchtbarkeit widmet und dagegen vorgehen soll.

Wir thematisieren in diesem Artikel, was Clomifen ist, wie und wann es eingesetzt wird und welche Nebenwirkungen es haben kann. Außerdem greifen wir Alternativen auf, wie z.B. Letrozol, die in der Medizin u.a. für Hormonbehandlungen Gebrauch finden.

Vorab wichtig: Die Wahl des Präparats bei Hormonbehandlungen hängt immer von der Art der Störung und individuellen Faktoren ab, weshalb eine vorherige Diagnose durch einen Arzt wichtig ist. Ärzte passen die Therapie dementsprechend auf jede Patientin und jeden Patienten an und entscheiden sich für eine jeweilige Behandlungsart mit geeigneter Medikation.

Was ist Clomifen?

Clomifen ist einer der Wirkstoffe, die Frauen zur ovariellen Stimulation verordnet werden, um den Eisprung auszulösen, wenn sie keinen oder einen unregelmäßigen Eisprung haben. Dabei kann das Präparat für hormonelle Behandlungen des weiblichen Zyklus zum Einsatz kommen, um eine Eizellreifung an den Eierstöcken auszulösen. Allerdings gibt es neben Clomifen weitere Medikamente, die in diesem Zuge, vor allem bei PCOS, verschrieben werden. Der Aromatase-Hemmer Letrozol ist mittlerweile eine gängige Alternative.

Wann wird Clomifen eingesetzt?

Der Wirkstoff Clomifen wird im Rahmen von Fruchtbarkeitsbehandlungen eingesetzt. Frauen mit Kinderwunsch, die seit mehreren Monaten erfolglos versuchen, in ihrer fruchtbaren Phase schwanger zu werden, sollten sich bei ihrem Arzt untersuchen lassen und können sich über mögliche Therapieformen informieren. Die hormonelle Behandlung mit Clomifen kann eine Option sein, um bei Frauen mit gestörter Eierstock-Funktion einen Eisprung auszulösen. Zu ovariellen Störungen zählt, wenn sonst kein oder ein unregelmäßiger Eisprung besteht [1] (Bsp.: PCOS), wenn bei Probleme bei der Reifung der Follikel (Eibläschen) oder Störungen der Gelbkörperphase nachgewiesen werden können.
Es gibt Voraussetzungen für Clomifen-Behandlungen [2] [3]:

Ausschluss einer Schwangerschaft
Nachgewiesene Funktionsprobleme des Zyklus
Verträglichkeit der Inhaltsstoffe
Ausschluss von Tumoren, Lebererkrankungen, Eierstockzysten (Ausnahme: PCOS -> Behandlung nur unter strenger ärztlicher Beobachtung)
Meiden von Alkohol, Drogen und Nikotin

Wie wirkt Clomifen?

Es wird vermutet, dass Clomifen die Östrogenrezeptoren hemmt und zur Freisetzung von Gonadotropinen (wie FSH und LH) führt. Die ausgeschütteten Hormone stimulieren die Follikelreifung und führen zum Eisprung [7]. Relevante Schritte des Zyklus siehst Du in der folgenden Grafik. Die hormonelle Stimulation soll bei unregelmäßigem oder auffallendem Zyklus helfen. Clomifen wirkt allerdings nicht bei jedem Problem, das den Eisprung betrifft und ist bei PCOS als Ursache am wirksamsten. Bisher wurde herausgefunden, dass Letrozol bei PCOS effektiver sei.

 

Definition Follikel

Clomifen: Dosierung, Kosten und Erfolgsquote

Clomifen sollte immer genau nach der ärztlich vorgeschriebenen Menge eingenommen werden. Dabei werden die Dosierung und Dauer der Therapie individuell festgelegt. Falls vom Arzt nicht anders verordnet, wird eine Clomifen-Behandlung häufig am fünften Tag nach Beginn der Periode begonnen. Dabei wird zu Beginn üblicherweise 1-mal täglich 1 Tablette (z.B. 50 mg) über 5 Tage eingenommen. Frauen, deren Menstruation über längere Zeit ausblieb, können die Therapie nach Absprache meist zu einem beliebigen Zeitpunkt beginnen [2]. Die Dosierung kann bei Dir höher oder niedriger ausfallen, falls Dein Arzt eine andere Menge für Dich vorsieht.

Clomifen Kosten

Die Kosten für Clomifen-Tabletten können je nach Anbieter und Land variieren. Da es ein verschreibungspflichtiges Medikament ist, kann es in (Online-)Apotheken nur mit gültigem Rezept gekauft werden. Meist wird Clomifen in Tablettenform mit 25- 50 mg Wirkstoff verkauft. Online liegt der Preis aktuell durchschnittlich bei ca. 20€ – 35€ für eine Packung mit 10 Tabletten à 50 mg (Stand: 22.01.2020, Angaben ohne Gewähr).

Erfolgsquote

Üblicherweise ist die Erfolgsquote bei Behandlungen mit Clomifen recht hoch: Für Frauen mit Ovulationsproblemen gibt es Studien zufolge eine bis zu 70/80%-ige Erfolgschance, einen Eisprung zu erzielen [4] [5]. Die Chancen, anschließend schwanger zu werden, liegen bei ca. 30-40 % [6] [8].

Die Rolle des Alters
Wie Du wahrscheinlich bereits weißt, ist die Fruchtbarkeit einer Frau von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Einer der größten Faktoren ist das Alter. Für Frauen über 35 Jahren kann Clomifen nur hilfreich sein, wenn von vorneherein eine ausreichende Anzahl an Eizellen vorhanden ist. Ist der Vorrat an vorhandenen Eizellen zu gering, kann es sein, dass das Medikament keinen Erfolg erzielt [6].

 

FSH & LH Hormon

Sonderfall PCOS: Clomifen vs. Letrozol

Als Alternativ-Therapie für PCOS-Patientinnen und -Patienten soll Letrozol ein „günstigeres Nebenwirkungsprofil“ vorweisen. Des Weiteren findet meist eine singuläre Follikelreifung statt, was insgesamt eine etwas geringere Rate an Mehrlingsschwangerschaften bedeutet [10].

Laut der offiziellen internationalen PCOS Empfehlungsleitlinie sei die Wahrscheinlichkeit von Mehrlingsschwangerschaften bei Frauen mit Polyzystischem Ovarialsyndrom unter Letrozol geringer als unter Clomifen [11].

Die Rate an Zwillingsschwangerschaften konnte in einer Untersuchung zwischen den Gruppen mit Clomifen und Letrozol verglichen werden. Dabei ist die Rate der Zwillingsschwangerschaften bei Pantintinnen unter Clomifen geringfügig höher (7,4%) als bei denen unter Letrozol (3,4%) [10].

Letrozol und Clomifen zählen bei Frauen mit PCOS für das Auslösen eines Eisprungs als Mittel der ersten Wahl und gelten daher als „First-Line-Therapie“.
In Deutschland ist das Medikament Letrozol bisher nur zur Therapie des Mammakarzinoms (Brustkrebs) zugelassen. Für Kinderwunschbehandlungen wird es daher „off-label“ eingesetzt [11].

Bei Frauen, die von PCOS betroffen sind, ist die Wahrscheinlichkeit der Auslösung eines Eisprungs unter Letrozol höher als unter Clomifen. Noch gibt es allerdings keine Belege dafür, dass Letrozol auch bei Frauen ohne PCOS effektiver ist.

Bei PCOS-Patientinnen und -Patienten konnte ansonsten bei Behandlungen mit Letrozol verglichen zu Clomifen eine höhere Schwangerschaftsrate (je Patientin und pro Zyklus) beobachtet werden [11]. Die Lebendgeburtrate ist in der Letrozol-Gruppe ebenfalls höher gewesen als in der Clomifen-Gruppe [10] [11].

Genadotropine können als „Second-Line-Therapie“ eingesetzt werden, wenn Clomifen oder Letrozol nicht das gewünschte Ergebnis erzielen konnte [11].

Sollte der Versuch, einen Eisprung auszulösen, nicht gelungen sein, bleibt als dritte Option beispielsweise eine künstliche Befruchtung durch IVF oder ICSI [11].

Nebenwirkungen von Clomifen

Während Clomifen-Behandlungen kann es bei mehr als 1 von 10 Frauen zu Gesichtsrötungen (Flush), Hitzewallungen und einer Vergrößerung der Eierstöcke kommen [2]. Weitere Nebenwirkungen können in seltenen Fällen eintreten, sind aber auf den zugehörigen Beipackzetteln oder beim Arzt zu erfahren. Außerdem kann es bei der Behandlung mit Clomifen zum sogenannten „Ovariellen Überstimulationssyndrom“ kommen.

Bei der Einnahme von Clomifen besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Mehrlingsschwangerschaften (6-8%) [1] [8].

Problematik bei Mehrlingsschwangerschaften
Die Rate von Mehrlingsschwangerschaft ist bei Behandlungen mit dem Aromatase-Hemmer Letrozol geringer als im Vergleich zu Clomifen [10].

Die Problematik bei Mehrlingsschwangerschaften liegt während der Schwangerschaft bei den Risiken der Frühgeburtlichkeit, dem erhöhten Risiko des frühgeburtlichen Todes und der sogenannten „intrauterinen Wachstumsrestriktion“, was bedeutet, dass der Fötus nicht das genetische Wachstumspotenzial erreicht.

Auch für Schwangere gehen Mehrlingsschwangerschaften mit vermehrten Fällen von diversen, erhöhten Risiken einher. Daher ist eine ärztliche Begleitung und Aufsicht wichtig, um Komplikationen zu vermeiden.

Fazit

Weißt Du eigentlich, wie lange ein Zyklus im Durchschnitt geht? Wann findet der Eisprung statt, und somit der beste Zeitpunkt, um schwanger zu werden? Wie bestimmt man die fruchtbaren Tage? In unserem Artikel zum weiblichen Zyklus findest Du die passenden Antworten auf Deine Fragen.

Selbst bei Frauen, die ihren Zyklus kennen, kann es etwas länger dauern. Nur die Hälfte aller Paare wird bereits während der ersten 3 Monate schwanger. Nach 6 Monaten ca. 65% und erst nach einem Jahr sind etwa 80% der Frauen schwanger [9]. Solltest Du bereits ein Jahr lang erfolglos versuchen, schwanger zu werden, empfehlen wir Dir, Kontakt zu einem Facharzt aufzunehmen.

Nicht zu vergessen: Die Erfolgsraten bei hormonellen Stimulationen sind zwar hoch, eine Garantie für eine eintretende Schwangerschaft kann aber leider nicht gewährleistet sein.

Über Fertilly

Wir bei Fertilly haben es uns zur Aufgabe gemacht, Paare (homo– und heterosexuell) und Singles auf dem Weg zur Erfüllung ihres Kinderwunsches zu begleiten. Dabei ist es uns wichtig Transparenz im Bereich der Angebote zum Thema Kinderwunsch zu schaffen, Informationen und Wissen zu den Themen Schwangerschaft und Fruchtbarkeit zu vermitteln und Dir und Euch dabei zu helfen, die am besten passende Kinderwunschklinik zu finden. Durch Kooperationen mit erstklassigen Kinderwunschzentren in Deutschland und im Ausland werden Anfragen über Fertilly bevorzugt behandelt. Somit umgehen unsere Patientinnen und Patienten die sonst meist langen Wartezeiten und kommen schneller an ihr Ziel.

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Quellen:

1. https://www.elternkompass.de/clomifen-bei-kinderwusnch/
2. Beipackzettel Clomifen-ratiopharm® 50mg Tabletten. Letzte Überarbeitung 2016
3. https://www.dr-nabielek.de/gynaekologie/kinderwunsch/behandlung-mit-clomifen
4. Shepard et al. (1979): Relationship of Weight to Successful Induction of Ovulation with Clomiphene Citrate. Department of Obstetrics and Gynecology, University of Texas Health Science Center at San Antonio, San Antonio, Texas 78284
5. Schindler et al. (1979): Behandlung der endokrin bedingten primären und sekundären Sterilität der Frau mit Clomifen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart
6. https://attainfertility.com/understanding-fertility/treatment-options/medications/clomid/clomid-success-rates/
7.https://www.hormonspezialisten.de/indikationen/reproduktionsmedizin/ovarielle-stimulation/
8. Sovino et al. (2002): Clomiphene citrate and ovulation induction. Vol 4. No 3. 303–310 Reproductive Bio Medicine Online
9. Juul, et al. (1999): Regional differences in waiting time to pregnancy: pregnancy-based surveys from Denmark, France, Germany, Italy and Sweden. Human Reproduction. 14: 1250-1254
10. Legro RS et al. Letrozole versus clomiphene forinfertility in the polycystic ovary syndrome.
N Engl JMed 2014; 371:119–129
11. International Evidence-based Guideline for theAssessment and Management of Polycystic Ovary Syndrome 2018