Jenia Chornaya

PCOS: Ursache, Symptome, Therapie

Typische Symptome

PCOS prägt sich von Frau zu Frau sehr unterschiedlich aus, sodass die Therapie ebenfalls von Fall zu Fall individuell gestaltet wird.

Zu den gängigsten Symptomen des polyzystischen Ovarialsyndroms zählen:

  •  Unregelmäßige Menstruation
  • Verstärkte Körperbehaarung
  • Haarverlust am Kopf
  • Fettige Haut und Akne
  • Unerwünschte Gewichtszunahme
  • Insulinresistenz und somit ein erhöhtes Risiko von Typ-2-Diabetes
  • Unterleibsschmerzen
  • Bluthochdruck
  • Mehrere Eierstockzysten
  • Erhöhtes Anti-Müller-Hormon

Frauen, die an PCOS und dem damit zusammenhängenden unregelmäßigen Zyklus leiden, haben meistens Schwierigkeiten ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Bei dieser Erkrankung handelt es sich um einen Symptomenkomplex: Es treten mehrere mögliche Symptome auf, die jedoch nicht alle gleichzeitig zum Vorschein kommen. Aus diesem Grund dauert es in manchen Fällen mehrere Jahre, bis das PCO-Syndrom bemerkt und diagnostiziert wird.

Diagnostizierung

Das polyzystische Ovarialsyndrom ist eine komplexe Hormonstörung, die erst nach Ausschluss anderer Erkrankungen bestätigt wird. Um ein genaues Urteil fällen zu können, muss der behandelnde Arzt zunächst den gesamten Krankheitsverlauf seiner Patientin in Erfahrung bringen.

Dies beinhaltet:

  • Fragen zu Vorerkrankungen, Zyklus- sowie Familienanamnese
  • Körperliche Untersuchungen wie Behaarungsmuster, Blutdruck, Hautuntersuchung, BMI und Fettverteilungsmuster
  • Glukose-Toleranztest
  • Untersuchung der Schilddrüsenfunktion

Um die Diagnostizierung zu erleichtern, wurden drei Hauptsymptome, die sogenannten Rotterdam-Kriterien, festgelegt. Sofern andere Ursachen ausgeschlossen sind und zwei dieser Merkmale auftreten, spricht man von dem Polyzistischen Ovarsyndrom:

Zyklusstörungen und fehlender Eisprung‍

  • Der Zyklus dauert länger als 35 Tage für mindestens 3 Monate im Jahr (Oligomenorrhö)
    oder
  • Die Menstruationsblutung bleibt für länger als 3 Monate im Jahr aus (Amenorrhö)

Erhöhter Wert der männlichen Geschlechtshormone‍

  • Als Folge ist eine verstärkte Körperbehaarung, Haarausfall am Kopf (Glatzenbildung) und/ oder Akne bekannt.
  • Der hormonelle Haushalt der Frau wird mittels Blutentnahme untersucht. Unter anderem werden Östrogene, Androgene, LH, FSH, das LH/FSH-Verhältnis und TSH (Laboraktuell, 2016) überprüft.

Mehrere Eierstockzysten – die sogenannten polyzystischen Ovarien

Dabei handelt es sich um kleine, mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen, die in beiden Eierstöcken gleichzeitig auftreten. Auch wenn dieses Merkmal der Erkrankung ihren Namen gibt, tritt es in – nur – 78 % aller PCOS-Diagnosen auf.
Dieses Symptom wird anhand eines transvaginalen Ultraschalls untersucht. Für Spezialisten ist es ziemlich einfach zu erkennen, da sich die Eierstöcke der PCOS-Betroffenen äußerlich von denen einer gesunden Frau unterscheiden.

Ursachen

Auch wenn die Erkrankung bereits 1721 zum ersten Mal beschrieben wurde, sind die genauen Ursachen des PCO-Syndroms bis heute nicht bekannt. Vielmehr wurden einzelne Zusammenhänge zwischen der Krankheit, den genetischen Faktoren sowie den Umwelteinflüssen festgestellt.

Zu einem wird behauptet, dass PCOS genetisch vererbbar ist.
Studien haben gezeigt, dass in manchen Familien gleich mehrere Familienmitglieder (z. B. die Mutter oder Schwester der Betroffenen) an dieser hormonellen Störung leiden. Aber auch männliche Mitglieder der Familie können PCO-ähnliche Anzeichen aufweisen: Eine frühzeitige Glatzenbildung gehört beispielsweise dazu. Bis heute konnte jedoch kein einzelnes PCOS-Gen identifiziert werden.

Die in 71 % der Fällen festgestellte Insulinresistenz steht im starken Zusammenhang mit dem aus dem Gleichgewicht gebrachten Hormonhaushalt der Betroffenen:

  • Erhöhte Konzentration der männlichen Geschlechtshormone (Androgene)
  • Daraus resultierende verstärkte Produktion der weiblichen Sexualhormone (Östrogenen)
  • Erhöhte Ausschüttung des LH Hormons, das zusammen mit dem Follikel-stimulierenden Hormon FSH für die Funktionsabläufe in den Eierstöcken verantwortlich ist.

Zum einem führt das verschobene Verhältnis beider Hormone zu einer gestörten Follikelreifung und somit zu Problemen mit dem Eisprung. Zum anderen treibt die verstärkte LH-Freisetzung wiederum die Steigerung der Hormonproduktion in den Eierstöcken voran.
Aber auch die äußeren Einflüsse spielen bei der Entstehung des PCO-Syndroms eine wichtige Rolle. Die Höhe der Kalorienzufuhr sowie die richtige Zusammensetzung der Nahrung spielen hier mit rein. Außerdem können körperliche Inaktivität und Fettleibigkeit die Symptome der Erkrankung verschlimmern.

Therapie

Auch wenn eine absolute Heilung des PCO-Syndroms noch nicht möglich ist, gibt es dennoch Möglichkeiten, die Symptome zu lindern. Hier ist aber jede Frau individuell zu betrachten, wie auch die jeweilige Intensität der auftretenden Symptome.

Reduzierung des Übergewichts
Die Gewichtsreduktion ist das Erste, worauf sich Frauen mit Übergewicht und dem PCO-Syndrom fokussieren sollten. Ausreichende Bewegung sowie Verzicht auf fett- und zuckerreiche Lebensmittel helfen dabei enorm.

Im Vergleich zu schlanken Patientinnen, deren Kohlenhydrate-Anteil bei ca. 50 – 55 % liegen darf, sollte er bei adipösen insulinresistenten Frauen maximal 40 % betragen.

Dieser Behandlungsschritt allein kann zu einem regelmäßigeren Zyklus mit einem Eisprung führen – für Patientinnen mit einem unerfüllten Kinderwunsch ist dies ein besonders motivierender Faktor.

Zudem wird das Risiko von Typ-2-Diabetes sowie von Herz- und Gefäßerkrankungen durch eine Gewichtsreduktion gesenkt.

Medikamentöse und hormonelle Behandlung
Zur Bekämpfung der äußeren klinischen Merkmale wird die orale kontrazeptive Therapie, auch als Antibabypille bekannt, eingesetzt. Sie verringert die Menge der männlichen Hormone im Blut, stabilisiert den Zyklus und klärt das Hautbild der Frau. So kann starker Körperbehaarung sowie Akne entgegengewirkt werden.

Für die Reduzierung des Blutzuckerspiegels und für einen besseren Stoffwechsel wird Metformin verschrieben: ein Medikament zur Behandlung von Diabetes. Als Folge wird die Insulinresistenz bekämpft und die Senkung der männlichen Hormone im Blut vorangetrieben.
So soll ein stabiler Menstruationszyklus erzielt werden. Dieser Therapieansatz ist unter anderem für PCOS-Patientinnen mit Kinderwunsch relevant.

Steht der Kinderwunsch im Vordergrund der Behandlung, kann außerdem das Antiöstrogen Clomifen verabreicht werden.

Dieses Medikament wird zur Förderung des Eisprungs eingesetzt und erhöht somit die Schwangerschaftschancen der Frau. Die Behandlung mit Chlomifen darf maximal über sechs Zyklen erfolgen und wird bei Bedarf durch ein medikamentöses FSH-Präparat ersetzt. Zu den bekannten Risiken dieser Methode zählen Mehrlingsschwangerschaften wie auch die hormonelle Überstimulation.

Zur Vorbeugung weiterer gesundheitlicher Probleme darf jede dieser PCOS-Therapien nur unter strikter ärztlicher Beobachtung durchgeführt werden!

Künstliche Befruchtung
Bei polyzystischem Ovarialsyndrom kommt Schwangerschaft mittels künstlicher Befruchtung erst dann infrage, wenn die hormonellen Methoden versagt haben.

Operation an den Eierstöcken
Falls die Chlomifenstimulation nicht anschlägt und der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, kann einer Frau mit einem PCO-Syndrom mittels einer Ovarialstichelung geholfen werden.
Dabei handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff, bei dem mit einer speziellen Nadel mehrere kleine Einstiche in die Eierstöcke gemacht werden.

Vorteile des Eingriffs

  • Höhere Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft: Innerhalb von einem bis zwei Jahren nach der Behandlung werden 50 – 70 % der Patientinnen mit einem PCO-Syndrom schwanger
    (Ott J, Kurz C., 2015)
  • Niedrige Rate von Mehrlingsschwangerschaften
  • Reduziertes Risiko des Überstimulationssyndroms

Nachteile des Eingriffs

Wie jeder chirurgische Eingriff unter Vollnarkose kann auch die Ovarialstichelung zu Komplikationen führen.

Emotionale Belastung

‍Das polyzystische Ovarialsyndrom stellt nicht nur ein gesundheitliches Problem dar. Die Unzufriedenheit mit dem äußeren Erscheinungsbild oder auch der unerfüllte Kinderwunsch können emotional sehr belastend sein. Das kann die Lebensqualität der betroffenen Frau stark einschränken und psychische Folgen nach sich ziehen.

Für den besseren Umgang mit dem emotionalen und psychischen Aspekt dieser Erkrankung kann ein Besuch bei einem Psychotherapeuten sehr hilfreich und auch befreiend sein.

‍Um mehr über den Zusammenhang zwischen Fruchtbarkeit und psychologischen Faktoren zu erfahren, klick hier.

Über Fertilly

Wir bei Fertilly haben es uns zur Aufgabe gemacht, Paare (homo- und heterosexuell) und Singles auf dem Weg zur Erfüllung ihres Kinderwunsches zu begleiten. Dabei ist es uns wichtig Transparenz im Bereich der Angebote zum Thema Kinderwunsch zu schaffen, Informationen und Wissen zu den Themen Schwangerschaft und Fruchtbarkeit zu vermitteln und Dir und Euch dabei zu helfen, die am besten passende Kinderwunschklinik zu finden. Durch Kooperationen mit erstklassigen Kinderwunschzentren in Deutschland und im Ausland werden Anfragen über Fertilly bevorzugt behandelt. Somit umgehen unsere Patientinnen und Patienten die sonst meist langen Wartezeiten und kommen schneller an ihr Ziel.

Du möchtest Dich weiter über Kliniken, Erfolgsraten und Preise informieren, melde Dich gerne über diesen Fragebogen bei uns. Wir beraten Dich kostenlos und unverbindlich.

Wie läuft die Beratung ab?

  • Beantworte uns im Online Formular erste Fragen um einen Termin zu buchen. So können wir im Gespräch besser auf Deine Bedürfnisse eingehen.

  • Wir finden den besten Ansprechpartner für Deinen konkreten Fall. Plane für die Beratung 20 Minuten Zeit ein.

  • Wir stellen Dir das für Dich passende Kinderwunschzentrum aus unserem Netzwerk vor, vereinbaren einen Termin und begleiten Dich bis zum erfüllten Kinderwunsch.

Sprich mit uns

Quellen:

1. Stammer, H., Wischmann, T., Verres, R. (2004): Paarberatung und – therapie bei unerfülltem Kinderwunsch. Hogrefe, Göttingen.
2. Wischmann, T., Stammer, H. (2010): Der Traum vom eigenen Kind. Psychologische Hilfen bei unerfülltem Kinderwunsch. Kohlhammer, Stuttgart.
3. Kentenich, H., Wischmann, T., Stöbel-Richter, Y. (2013): Fertilitätsstörungen — Psychosomatisch orientierte Diagnostik und Therapie. Leitlinie und Quellentext — 1.Revision. Psychosozial Verlag, Göttingen.
4. Rohde (2001). Zur psychischen Situation ungewollt kinderloser Paare. In W. Fthenatkis & M. Textor (Hrsg.), Online-Familienhandbuch. München: Staatsinstitut für Frühpädagogik.
5. Wischmann T., (1998): Heidelberger Kinderwunsch-Sprechstunde. Eine Studie zu psychosozialen Aspekten ungewollter Kinderlosigkeit. Verlag Peter Lang, Frankfurt/Main.
6. Mutsaerts MA, Groen H, Huiting HG, Kuchenbecker WK, Sauer PJ, Land JA, Stolk RP, Hoek A. The influence of maternal and paternal factors on time to pregnancy–a dutch population-based birth-cohort study: the GECKO drenthe study. Hum Reprod. 2012;27:583–593. doi: 10.1093/humrep/der429.
7. Li Y, Lin H, Li Y, Cao J. Association between socio-psycho-behavioral factors and male semen quality: Systematic review and meta-analyses. Fertil Steril. 2011;95:116–123. doi: 10.1016/j.fertnstert.2010.06.031.
8. Lynch, C.D., Sundaram, R., Maisog, J.M., Sweenez, A.M., Buck Louis, G.M. (2014): Preconception stress increases the risk of infertility: Results from a couple-based prospective cohort study-the LIFE study. Human Reproduction, Vol.29, No.5 pp. 1067– 1075, 2014.
9. Institut für Demoskopie Allensbach (2007): Allensbacher Bericht 11/2007 Unfreiwillige Kinderlosigkeit Pook, M./Tuschen-Caffier B./Krause et al. (2000): Psychische Gesundheit und Partnerschaftsqualität idiopathischer infertiler Paare. In: Brähler, E./Felder, H./Strauß, B. (Hrsg.): Fruchtbarkeitsstörungen. Jahrbuch der Medizinischen Psychologie 17: 262-271.
10. Lorenz TK, Heiman JR, Demas GE. Interaction of menstrual cycle phase and sexual activity predicts mucosal and systemic humoral immunity in healthy women. Physiol Behav. 2015;152(Part A):92-98.