Saskia Balke-Hom­berg

Prä­na­tal­dia­gnostik: Vor­ge­burt­liche Un­ter­su­chungen

Prä­na­tal­dia­gnostik: Ethik versus Sehn­sucht nach Si­cher­heit

Wer­dende El­tern wün­schen sich eine un­be­las­tete Schwan­ger­schaft. Die meisten Schwan­geren nehmen Prä­na­tal­dia­gnostik in An­spruch, um sich mit einem guten Ge­fühl auf ihr Kind freuen zu können. Dabei ist die Mehr­zahl aller Babys ge­sund. Wenn Du trotzdem PND nutzen möchten, soll­test Du Dich be­reits vor dem ersten Ul­tra­schall mit Deinem Partner dar­über ver­stän­digen, wie Ihr zu Prä­na­tal­dia­gnostik steht und ob Ihr eine ähn­liche ethi­sche Hal­tung ver­tretet. Sprich mit Deinem Partner bei­spiels­weise an­hand der fol­genden Über­sicht dar­über, ob Du PND mit allen Kon­se­quenzen als eher nütz­lich er­achtet und welche Ent­schei­dungen Du im Ernst­fall treffen wür­dest.

 

Paar mit Ultraschallbildern

Mög­lich­keiten der Prä­na­tal­dia­gnostik

  • Ei­nige Er­kran­kungen wie die Zwerch­fell­hernie oder eine ver­dickte Blase können schon im Mut­ter­leib ope­riert oder be­han­delt werden [1]
  • Die Start­be­din­gungen für das Leben des Kindes können bei be­stimmten Er­kran­kungen oder Be­hin­de­rungen leichter sein, wenn die Fa­milie früh­zeitig Be­ra­tungs­an­ge­bote nutzt und sich auf die Be­son­der­heiten ein­richtet
  • Die Ge­burts­an­mel­dung kann be­reits in einer spe­zia­li­sierten Klinik er­folgen, um die best­mög­liche Erst­ver­sor­gung si­cher­zu­stellen, wenn bei­spiels­weise ein Herz­fehler vor­liegt
  • Ein un­auf­fäl­liger Be­fund be­ru­higt die wer­denden El­tern und nimmt ihnen Sorge und Stress

Grenzen der Prä­na­tal­dia­gnostik

  • Nur ein kleiner Teil mög­li­cher Er­kran­kungen kann über­haupt per PND er­kannt und be­han­delt werden
  • Die Un­ter­su­chungen können einen Ver­dacht oder ein er­höhtes Ri­siko auf eine Fehl­bil­dung oder Er­kran­kung auf­de­cken oder be­stä­tigen –können aber in der Regel den Schwe­re­grad oder den wei­teren Ver­lauf nicht vor­aus­sagen
  • Un­klare Un­ter­su­chungs­er­geb­nisse können die El­tern psy­chisch stark be­lasten und die Bin­dung zum Kind emp­find­lich stören
  • Im Falle einer schwer­wie­genden Er­kran­kung wird den El­tern wo­mög­lich eine Ent­schei­dung über die Fort­set­zung oder den Ab­bruch der Schwan­ger­schaft ab­ver­langt, die sie nicht treffen möchten, dann aber treffen müssen
Studie der Charité

Triff von An­fang an be­wusste Ent­schei­dungen

Die Prä­na­tal­dia­gnostik ist in der Gy­nä­ko­logie zur Rou­tine ge­worden. Den­noch: Wer­dende El­tern, die nicht mit der Mög­lich­keit eines Schwan­ger­schafts­ab­bru­ches kon­fron­tiert werden möchten, sollten genau ab­wägen, welche Un­ter­su­chungen sie vor­nehmen lassen möchten. Ver­meint­liche Auf­fäl­lig­keiten können eine Ma­schi­nerie an wei­ter­füh­renden Un­ter­su­chungen in Gang setzen, zu zer­mür­benden War­te­zeiten auf Test­ergeb­nisse führen und die Be­zie­hung zum Partner und zum Kind mit­unter stark be­ein­träch­tigen. Bei vielen Un­ter­su­chungen sind Fehl­alarme mög­lich, die zu einer un­nö­tigen Ver­un­si­che­rung und Be­las­tung wer­dender El­tern führen. Gleich­zeitig wiegen sich El­tern in fal­scher Si­cher­heit, wenn eine Auf­fäl­lig­keit nicht er­kannt wurde.

Ent­schei­dungen brau­chen Zeit – sonst drohen Schuld­ge­fühle

So­bald bei­spiels­weise eine Tri­somie 21-Dia­gnose im Raum steht, möchte die Mehr­heit der wer­denden Mütter die Schwan­ger­schaft nicht fort­setzen. Dabei wollen die Kon­se­quenzen in einem sol­chen Fall wohl­über­legt sein. „Zu schnell ge­fasste Ent­schlüsse können zu schwie­rigen, ver­zö­gerten oder pa­tho­lo­gi­schen Trau­er­pro­zessen führen, oder die fehl­ge­lei­tete Trauer führt zu nicht en­denden Schuld­ge­fühlen und Am­bi­va­lenzen“, be­richtet Sa­bine Hu­fen­diek vom Evan­ge­li­schen Zen­tral­in­stitut Berlin in einem Fach­ar­tikel. [5] Der Jour­na­list Mat­thias Thieme, selbst Vater einer Tochter mit Down-Syn­drom, weist in seiner Ar­beit zudem darauf hin, was der rein me­di­zi­ni­sche Blick der Prä­na­tal­dia­gnostik nicht leistet: „Über das Leben mit einem sol­chen Kind, über das Po­ten­zial an Glück und Erfüllung er­fahren die Mütter und Väter nichts.“ [4]

Du hast das Recht auf Nicht­wissen

Du kannst im Rahmen der Vor­sorge oder PND selbst ent­scheiden, welche In­for­ma­tionen Du er­halten möch­test und wie de­tail­liert die Aus­künfte aus­fallen sollen. So hast Du das Recht, Dich be­wusst gegen Ul­tra­schall­un­ter­su­chungen zu ent­scheiden. Du kannst mit dem Arzt auch ver­ein­baren, bei den Basis-Ul­tra­schall­un­ter­su­chungen bei­spiels­weise le­dig­lich über die al­ters­ge­rechte Ent­wick­lung in­for­miert werden zu wollen, nicht aber über Fehl­bil­dungen. [6] Dafür ist al­ler­dings Deine Un­ter­schrift er­for­der­lich, die den Arzt von seiner In­for­ma­ti­ons­pflicht ent­bindet.

Fazit: Prä­na­tal­dia­gnostik

Die me­di­zi­ni­sche Sicht ist nicht un­be­dingt die ent­schei­dende

Die Prä­na­tal­dia­gnostik kann be­stimmte Er­kran­kungen und Auf­fäl­lig­keiten früh­zeitig auf­de­cken, aber auch stark ver­un­si­chern. Vor allem aber han­delt es sich um eine rein me­di­zi­ni­sche Sicht auf das wer­dende Leben. Aus der wis­sen­schaft­li­chen Per­spek­tive heraus sind die mo­dernen Mög­lich­keiten der PND auf­schluss- und chan­cen­reich. Doch dann gibt es noch die emo­tio­nale, in­di­vi­du­elle, mensch­liche Ebene, die eine Schwan­ger­schaft zu einem hoch­kom­plexen Er­eignis im Leben wer­dender El­tern macht. Für eine fun­dierte Ent­schei­dung, ob und wie Du Prä­na­tal­dia­gnostik für Dich sinn­voll nutzen möch­test, eignen sich ver­tie­fende Ge­spräche mit Deinem Arzt, Deiner Heb­amme oder bei einer Schwan­ger­schafts­be­ra­tungs­stelle. So stärkst Du auch Deine ei­gene In­tui­tion.

Wei­tere In­for­ma­tionen zu Me­thoden und Ri­siken der Prä­na­tal­dia­gnostik fin­dest Du im zweiten Teil.
» Prä­na­tal­dia­gnostik: Me­thoden

Ultraschalluntersuchung

Über Fer­tilly

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Quellen:

1. https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/operation-im-mutterleib/
2. https://www.g‑ba.de/downloads/83–691-324/2013–07-01_Merkblatt_Ultraschall_Heft.pdf
3. Jan­vier, Annie., Farlow, Bar­bara , Bar­rington, Keith (2016): Pa­rental hopes, in­ter­ven­tions, and sur­vival of ne­o­nates with tri­somy 13 and tri­somy 18. In: Ame­rican Journal of me­dical ge­ne­tics, Jg. 172, H 3, S. 279–287
4. Thieme, M. (2016): El­tern als Se­lek­tierer. De­batte Pränataltests und ihre Folgen. In: taz, die ta­ges­zei­tung, 28.11.2016, www.taz.de/!5357522/ (26.6.2019)
5. Hu­fen­diek, Sa­bine (2019): Be­ra­tung zwi­schen Be­funden und Be­finden – Paare in der Be­ra­tung. In: Vor­trags- und Work­shop- Samm­lung und Fach­ta­gung‚ Ver­ant­wor­tung leben – ohne Zweifel geht es nicht‘, S. 70.
6. https://www.g‑ba.de/downloads/83–691-324/2013–07-01_Merkblatt_Ultraschall_Heft.pdf, S. 8