Johan­na Koh­nen

Psy­cho­lo­gi­sche Fak­to­ren beim Kin­der­wunsch

Doch was ist wirk­lich dran am Zusam­men­hang zwi­schen Frucht­bar­keit und Psy­cho­lo­gi­schen Fak­to­ren?

Psy­cho­lo­gi­sche Fak­to­ren: Wenn der Kin­der­wunsch die See­le belas­tet

Wenn der Wunsch nach einem Kind (und im ers­ten Schritt nach einer Schwan­ger­schaft) Zyklus für Zyklus ent­täuscht wird, bekom­men Frau­en und Paa­re oft den Rat, sich nicht zu sehr auf den Kin­der­wunsch zu ver­stei­fen. „Ent­spannt Euch, dann klappt es am ehes­ten“, ist ein typi­scher Rat­schlag. Doch was ist wirk­lich dran am Zusam­men­hang zwi­schen Frucht­bar­keit und Psy­cho­lo­gi­schen Fak­to­ren?

Vie­le Paa­re trifft ein uner­füll­ter Kin­der­wunsch recht uner­war­tet. Jah­re lang hat man bei­spiels­wei­se strikt auf die Ver­hü­tung geach­tet, sich auf die Suche nach dem rich­ti­gen Part­ner kon­zen­triert, an der Kar­rie­re gear­bei­tet oder schlicht den rich­ti­gen Zeit­punkt abge­war­tet. Wenn dann die erhoff­te Schwan­ger­schaft auch nach län­ge­rer Zeit nicht ein­tritt, gera­ten die Paa­re oft­mals ins Strau­cheln. Mit jedem Zyklus und jeder neu­en Ent­täu­schung wach­sen der Kin­der­wunsch und die Sehn­sucht nach einer Schwan­ger­schaft. Die unge­woll­te Kin­der­lo­sig­keit wird dabei von den Paa­ren nicht sel­ten als star­ke psy­chi­sche Belas­tung wahr­ge­nom­men.

 

Oft­mals ver­let­zend und wenig hilf­reich: Der Rat, sich ein­fach „zu ent­span­nen“

Ein Teu­fels­kreis, der sich jeden Monat wie­der­holt: Der Eisprung wird berech­net, alles genau geplant und trotz­dem tritt die Peri­ode ein. Vie­le Paa­re bekom­men von ihrem Umfeld dann den Rat, sich nicht auf den Kin­der­wunsch zu ver­stei­fen bzw. sich „ein­fach zu ent­span­nen“. Die Rat­ge­ben­den sind sich aller­dings häu­fig nicht bewusst, dass die­se Wor­te und gut­ge­mein­ten Rat­schlä­ge völ­lig kon­tra­pro­duk­ti­ve Gefüh­le aus­lö­sen kön­nen. Denn vie­le Paa­re haben bereits meh­re­re Mona­te (in man­chen Fäl­len Jah­re) hin­ter sich, in wel­chen sie nicht ver­hü­tet haben. Meist beginnt dies ohne Stress oder Gedan­ken, dass es Schwie­rig­kei­ten mit dem eige­nen Lebens­ent­wurf geben könn­te. Doch ab einem gewis­sen Punkt kippt die­se Leich­tig­keit: Die Paa­re fan­gen an, sich Sor­gen zu machen, sich selbst unter Druck zu set­zen, und die eige­ne Bio­lo­gie oder gar die Part­ner­schaft in Fra­ge zu stel­len.

junger Mann traurig

Haben Paa­re mit uner­füll­tem Kin­der­wunsch eine ande­re Psy­che?

Häu­fig hört man von Erzäh­lun­gen, dass, sobald Paa­re von ihrem Kin­der­wunsch Abstand neh­men oder bereits eine ers­te Schwan­ger­schaft ein­ge­tre­ten und kei­ne wei­te­re aktiv geplant ist, es plötz­lich klappt. Beein­flus­sen psy­cho­lo­gi­sche Fak­to­ren der Paa­re den Kin­der­wunsch?

Die Fra­ge, ob ein mög­li­cher Zusam­men­hang zwi­schen psy­chi­schen Fak­to­ren und Frucht­bar­keit bezie­hungs­wei­se Unfrucht­bar­keit exis­tiert, ist seit eini­ger Zeit Gegen­stand diver­ser wis­sen­schaft­li­chen For­schun­gen.

Der Hei­del­ber­ger Psy­cho­lo­ge, Psy­cho­the­ra­peut und Psy­cho­ana­ly­ti­ker Dr. Tewes Wisch­mann unter­sucht die­ses The­ma bei­spiels­wei­se in sei­nen Arbei­ten [1]. Dar­in beschreibt er die simp­le Auf­fas­sung, dass psy­cho­lo­gi­sche Fak­to­ren und Unfrucht­bar­keit in einem direk­ten Zusam­men­hang ste­hen, aller­dings als unzu­rei­chend [2]. Nach heu­ti­gem wis­sen­schaft­li­chem Kennt­nis­stand sind Paa­re mit uner­füll­tem Kin­der­wunsch aus psy­cho­lo­gi­scher Sicht zunächst ein­mal weit­ge­hend unauf­fäl­lig und psy­cho­lo­gisch ähn­lich zu Paa­ren ohne Frucht­bar­keits­stö­rung [3].

Die Bon­ner Pro­fes­so­rin für gynä­ko­lo­gi­sche Psy­cho­so­ma­tik, Dr. Anke Roh­de, betont wei­ter­hin, dass Kin­der­wunsch­pa­ti­en­ten mit Emp­fäng­nis­schwie­rig­kei­ten auch nicht per se neu­ro­ti­scher sind als ande­re, son­dern nichts ande­res als einen “Aus­schnitt aus der Nor­mal­be­völ­ke­rung” dar­stel­len — ohne Auf­fäl­lig­kei­ten, was ihre Per­sön­lich­keit, Part­ner­schaft oder ihre Ein­stel­lung zur Sexua­li­tät betrifft [4]

 

Die Aus­wir­kun­gen von Stress auf den Hor­mon­haus­halt

Wie so häu­fig gilt es auch hier, Ursa­che und Wir­kung aus­ein­an­der zu hal­ten. Wenn Kin­der­wunsch­pa­ti­en­ten unter Stress und Anspan­nung lei­den (und viel­leicht depres­si­ver als ihre Mit­men­schen sind), so ist dies im ers­ten Schritt nicht die Ursa­che, son­dern oft­mals die Fol­ge des uner­füll­ten Kin­der­wun­sches. Die psy­chi­sche Belas­tung um den uner­füll­ten Kin­der­wunsch kann für Paa­re häu­fig zur Lebens­kri­se wer­den, so Tewes Wisch­mann über die Ergeb­nis­se der Stu­die “Hei­del­ber­ger Kin­der­wunsch-Sprech­stun­de” [5].

Nach Tewes Wisch­mann gilt es als wis­sen­schaft­lich erwie­sen, dass star­ker psy­chi­scher Stress sowohl bei Frau­en als auch bei Män­nern zu deut­li­chen Stö­run­gen des Hor­mon­haus­halts füh­ren kön­nen. Die­ser Stress kann aus ganz ver­schie­de­nen Quel­len kom­men, bei­spiels­wei­se aus dem pri­va­ten Umfeld, oder eben aus dem Druck her­aus, dass es „nun end­lich klap­pen muss mit dem Kin­der­wunsch“ und ggf. einer damit ver­bun­den Part­ner­schafts­kri­se. Aber auch ande­re Quel­len spie­len eine Rol­le: Eine Stu­die aus dem Jahr 2012 zeigt bei­spiels­wei­se, dass Frau­en, die über 32 Stun­den die Woche arbei­ten, deut­lich län­ger bis zum Zeit­punkt der Emp­fäng­nis brau­chen, als Frau­en, die eine wöchent­li­che Arbeits­zeit von 16 – 32 Stun­den hat­ten [6]. Und auch bei Män­nern füh­ren Stress im Beruf, Sozi­al­le­ben und im per­sön­li­chen Umfeld zu gerin­ge­rer Sper­mi­en­an­zahl, ‑kon­zen­tra­ti­on, Moti­li­tät und sogar zu ver­schlech­ter­ter Mor­pho­lo­gie[7].

Frau schwarz weiß

Eine hohe Kon­zen­tra­ti­on an Stress­hor­mo­nen kann die Chan­cen einer Emp­fäng­nis um bis zu 30% ver­min­dern

Auch Court­ney Den­ning-John­son Lynch von der Ohio Sta­te Uni­ver­si­ty in Colum­bus beweist in ihrer Stu­die, dass ein hoher Stress­fak­tor die Emp­fäng­nis erschwert oder sogar ver­hin­dern kann. Laut den Ergeb­nis­sen sorgt eine hohe Kon­zen­tra­ti­on an Stress­hor­mo­nen im Blut für eine bis zu 30% ver­min­der­te Chan­ce einer Emp­fäng­nis [8]. Dies lässt sich evo­lu­ti­ons­bio­lo­gisch dar­auf zurück­füh­ren, dass es in frü­he­ren Zei­ten poten­ti­ell sinn­voll war, kei­ne Kin­der wäh­rend belas­ten­den und unru­hi­gen Zei­ten zu emp­fan­gen.

Auch wenn die Lebens­si­tua­tio­nen (und damit ver­bun­de­ne Stres­so­ren) höchst indi­vi­du­ell sind: Je mehr Du es schaffst, Stress zu redu­zie­ren, des­to mehr wird der Hor­mon­haus­halt beim Kin­der­wunsch begüns­tigt, was wie­der­um den Ein­tritt einer Schwan­ger­schaft wahr­schein­li­cher macht [9].

Wei­ter soll­ten Paa­re mit Kin­der­wunsch an ers­ter Stel­le ihre Erwar­tungs­hal­tung und Leis­tungs­druck gegen­über sich selbst mäßi­gen. Tut was Euch gut tut! Gehe aus, kon­zen­triert Euch auf die posi­ti­ven Din­ge im Leben. Treibt Sport zum Aus­gleich und schlaft mit­ein­an­der so oft Ihr wollt – nicht nur wäh­rend der frucht­ba­ren Tage. Denn häu­fi­ger Geschlechts­ver­kehr för­dert die Emp­fäng­nis wie eine Stu­die der India­na Uni­ver­si­ty of Bloo­m­ing­ton beweist. Frau­en, die oft Sex haben, beein­flus­sen damit ihr Immun­sys­tem, was den Sper­mi­en hilft die Immun­ab­wehr der Frau zu über­win­den und eine Eizel­le zu befruch­ten [10].

Über Fer­til­ly

Wir bei Fer­til­ly haben es uns zur Auf­ga­be gemacht, Paa­re (homo- und hete­ro­se­xu­ell) und Sin­gles auf dem Weg zur Erfül­lung ihres Kin­der­wun­sches zu beglei­ten. Dabei ist es uns wich­tig Trans­pa­renz im Bereich der Ange­bo­te zum The­ma Kin­der­wunsch zu schaf­fen, Infor­ma­tio­nen und Wis­sen zu den The­men Schwan­ger­schaft und Frucht­bar­keit zu ver­mit­teln und Dir und Euch dabei zu hel­fen, die am bes­ten pas­sen­de Kin­der­wun­sch­kli­nik zu fin­den. Durch Koope­ra­tio­nen mit erst­klas­si­gen Kin­der­wun­sch­zen­tren in Deutsch­land und im Aus­land wer­den Anfra­gen über Fer­til­ly bevor­zugt behan­delt. Somit umge­hen unse­re Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten die sonst meist lan­gen War­te­zei­ten und kom­men schnel­ler an ihr Ziel.

Du möch­test Dich wei­ter über Kin­der­wun­sch­zen­tren, Erfolgs­ra­ten und Prei­se infor­mie­ren, mel­de Dich ger­ne über die­sen Fra­ge­bo­gen bei uns. Wir bera­ten Dich kos­ten­los und unver­bind­lich.

 

Wie läuft die Bera­tung ab?

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Quel­len:

1. Stammer, H., Wisch­mann, T., Ver­res, R. (2004): Paar­be­ra­tung und — the­ra­pie bei uner­füll­tem Kin­der­wunsch. Hog­re­fe, Göt­tin­gen.
2. Wisch­mann, T., Stammer, H. (2010): Der Traum vom eige­nen Kind. Psy­cho­lo­gi­sche Hil­fen bei uner­füll­tem Kin­der­wunsch. Kohl­ham­mer, Stutt­gart.
3. Ken­te­nich, H., Wisch­mann, T., Stö­bel-Rich­ter, Y. (2013): Fer­ti­li­täts­stö­run­gen — Psy­cho­so­ma­tisch ori­en­tier­te Dia­gnos­tik und The­ra­pie. Leit­li­nie und Quellen­text — 1.Revision. Psy­cho­so­zi­al Ver­lag, Göt­tin­gen.
4. Roh­de (2001). Zur psy­chi­schen Situa­ti­on unge­wollt kin­der­lo­ser Paa­re. In W. Fthen­at­kis & M. Textor (Hrsg.), Online-Fami­li­en­hand­buch. Mün­chen: Staats­in­sti­tut für Früh­päd­ago­gik.
5. Wisch­mann T., (1998): Hei­del­ber­ger Kin­der­wunsch-Sprech­stun­de. Eine Stu­die zu psy­cho­so­zia­len Aspek­ten unge­woll­ter Kin­der­lo­sig­keit. Ver­lag Peter Lang, Frankfurt/Main.
6. Mut­sa­erts MA, Gro­en H, Hui­t­ing HG, Kuchen­be­cker WK, Sau­er PJ, Land JA, Stolk RP, Hoek A. The influ­ence of mater­nal and pater­nal fac­tors on time to pregnancy–a dut­ch popu­la­ti­on-based birth-cohort stu­dy: the GECKO dren­the stu­dy. Hum Reprod. 2012;27:583–593. doi: 10.1093/humrep/der429.
7. Li Y, Lin H, Li Y, Cao J. Asso­cia­ti­on bet­ween socio-psy­cho-beha­vio­ral fac­tors and male semen qua­li­ty: Sys­te­ma­tic review and meta-ana­ly­ses. Fer­til Ste­ril. 2011;95:116–123. doi: 10.1016/j.fertnstert.2010.06.031.
8. Lynch, C.D., Sundaram, R., Mai­sog, J.M., Swee­n­ez, A.M., Buck Lou­is, G.M. (2014): Pre­con­cep­ti­on stress incre­a­ses the risk of infer­ti­li­ty: Results from a cou­p­le-based pro­spec­ti­ve cohort stu­dy-the LIFE stu­dy. Human Repro­duc­tion, Vol.29, No.5 pp. 1067– 1075, 2014.
9. Insti­tut für Demo­sko­pie Allens­bach (2007): Allens­ba­cher Bericht 11/2007 Unfrei­wil­li­ge Kin­der­lo­sig­keit Pook, M./Tuschen-Caffier B./Krause et al. (2000): Psy­chi­sche Gesund­heit und Part­ner­schafts­qua­li­tät idio­pa­thi­scher infer­ti­ler Paa­re. In: Bräh­ler, E./Felder, H./Strauß, B. (Hrsg.): Frucht­bar­keits­stö­run­gen. Jahr­buch der Medi­zi­ni­schen Psy­cho­lo­gie 17: 262–271.
10. Lorenz TK, Heiman JR, Demas GE. Inter­ac­tion of mens­tru­al cycle pha­se and sexu­al acti­vi­ty pre­dicts muco­sal and sys­temic humo­ral immu­ni­ty in healt­hy women. Phy­si­ol Behav. 2015;152(Part A):92–98.