Jana Vorsteher

Social Freezing: Ablauf & Risiken

Was ist Social Freezing?

Social Freezing, in der medizinischen Fachsprache auch Kryokonservierung genannt, bezeichnet den vorsorglichen Prozess der Gewinnung und des anschließenden Einfrierens unbefruchteter Eizellen ohne medizinische Notwendigkeit. Mit dieser Methode können Frauen ihrem altersbedingten Fruchtbarkeitsverlust vorbeugen und sich ihren Kinderwunsch zu einem späteren Zeitpunkt erfüllen, indem die Eizellen wieder „aufgetaut“ werden.

Wie läuft Social Freezing ab?

Schritt 1: Voruntersuchung
Nach einem ausführlichen Vorgespräch mit Fachexperten, also Reproduktionsmedizinern oder Kinderwunschärzten, ist der nächste Schritt eine medizinische Voruntersuchung mittels Blutwerte (Hormonhaushalt) und Ultraschall. Der Arzt prüft dabei, ob die benötigten Voraussetzungen für das Social Freezing erfüllt werden (Erfolgswahrscheinlichkeit/ Chancen) und klärt Dich über mögliche Risiken der Behandlung auf. Weitere Unklarheiten und Informationslücken können im Vorfeld vom Spezialisten geklärt werden.

Schritt 2: Hormonelle Stimulation: Vorbereitung
Wenn Du nach den Voruntersuchungen alle Voraussetzungen erfüllst, wird ein Zeitpunkt für den Beginn der Stimulation festgelegt. Der Plan sowohl für die Dauer als auch Dosierung während der hormonellen Stimulation der Eierstöcke wird im Vorfeld gemeinsam mit dem Arzt erstellt. Da die entsprechenden Medikamente verschreibungspflichtig sind, erhälst Du ein ärztliches Rezept mit fachlicher Einweisung. Plane für den Erhalt der Medikamente (meist Spritzen) genügend Zeit mit ein, um rechtzeitig starten zu können, da es sein kann, dass Du diese unter Umständen im Ausland bestellen musst.

Ablauf der hormonellen Stimulation
In einem bestimmten Zeitraum, der oft zwischen 10-14 Tage dauert, injizierst Du Dir das verschriebene Hormon-Präparat zu Hause. Die hormonelle Stimulation soll dazu führen, dass bis zur Entnahme möglichst viele Eizellen heranreifen. [1] [2] Um den Wachstumsfortschritt der Follikel zu verfolgen und den Hormonspiegel im Auge zu behalten, finden regelmäßige Kontrolluntersuchungen über Ultraschall und Blutentnahme statt. Außerdem kann dadurch ermittelt werden, ob die Dosierung verändert werden sollte und wann der perfekte Zeitpunkt für die Entnahme der herangereiften Eizellen ist. Nach dieser Bestimmung wird einmalig ein Hormon injiziert ( „Trigger Shot“), das den Eisprung auslösen soll. Nach erfolgreicher Auslösung des Eisprungs kann der behandelnde Arzt mit der Entnahme beginnen.

Schritt 3: Entnahme der Eizellen
Um die gereiften Eizellen zu entnehmen, musst Du (meist einen Tag) nach der letzten Spritze in Deine begleitende Kinderwunschklinik. Vor Ort wirst Du ein weiteres Mal untersucht und über die nächsten Schritte informiert. Nach ärztlicher Aufklärung wirst Du dann in einen OP-Saal geführt, in dem die Entnahme unter Kurz-Narkose durchgeführt wird. Meist ist der Eingriff gering und dauert nur etwa 15-30 min. In dieser Zeit entnimmt der Arzt die Follikel an den Eierstöcken durch sog. „vaginale Follikelpunktion“. Dabei werden Follikel, die bestenfalls alle eine reife Eizelle enthalten, durch eine sehr dünne Nadel „abgesaugt“. Im Anschluss an diesen kurzen Prozess wirst Du für das Aufwachen in ein ruhiges Zimmer gebracht, in dem Du Dich ausruhen kannst, bis es für Dich wieder auf den Weg nach Hause geht. Zu Deiner eigenen Sicherheit musst Du wegen der (wenn auch kurzen) Vollnarkose von einer Person Deiner Wahl abgeholt werden. [1] [2]

Schritt 4: Einfrieren (Vitrifikation) der Eizellen
Nach Entnahme der Follikel wird von einem spezialisierten Biologen untersucht, wie viele davon eine reife Eizelle beinhalten. Geeignete Eizellen werden im Anschluss innerhalb einiger Sekunden bei -196°C eingefroren („Schock-Einfrieren“). Medizinisch wird dieses Verfahren auch als „Vitrifikation“ bezeichnet. Diese Methode bietet viele Vorteile, da sie zum einen die Zellen nicht schädigt und zum anderen eine sehr hohe, fast risikofreie „Auftaurate“ (98%) besitzt. [3]

Schritt 5: Lagerung der Eizellen
Das Gute ist: Du kannst Deine vitrifizierten Eizellen mehrere Jahre, und sogar Jahrzehnte, sicher aufbewahrt lassen. Je größer die gelagerte Anzahl der Eizellen, umso höher ist zu einem späteren Zeitpunkt die Chance einer Schwangerschaft und damit die Erfüllung des persönlichen Kinderwunsches. Wenn der richtige Zeitpunkt für Dich gekommen ist, werden die Eizellen wieder aufgetaut und können daraufhin befruchtet werden.

Nach dem Social Freezing: Nutzung der Eizellen

Du kannst selbst bestimmen, ob und wann Du die Eizellen zur Nutzung wieder auftauen lässt. Wenn Du auf natürliche Weise nicht schwanger werden kannst, ist eine künstliche Befruchtung (mittels IVF oder ICSI) möglich. Dabei werden die Eizellen mit den Samenzellen des Mannes befruchtet. Nach Beginn der Zellteilung kann die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter eingesetzt werden. Trotz der hohen Erfolgswahrscheinlichkeit, eine Schwangerschaft mithilfe von Social Freezing auch noch im späten Alter zu erreichen, gibt es keine Garantie für eine unkomplizierte Familiengründung. Komplikationen können wegen verschiedenster Ursachen auftreten, weshalb eine fachärztliche Betreuung stets zu empfehlen ist.

Mögliche Risiken bei Social Freezing

Social Freezing ist mit wenigen Risiken verbunden und eher unbedenklich. Neben der erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft bei künstlichen Befruchtungen, bleiben mögliche Komplikationen bestehen, die eine Schwangerschaft in höherem Lebensalter mit sich bringen kann: steigende Anfälligkeit für Schwangerschaftsdiabetes oder Bluthochdruck.

Gleichzeitig fallen bei einer durch Social Freezing entstandenen Schwangerschaft einige Risiken weg, bzw. minimieren sich stark, wenn die Eizellen in möglichst jungen Jahren kryokonserviert wurden: genetische Fehlbildungen oder altersbedingt hohes Abortrisiko.

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Quellen:

1. https://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/einfrieren-der-eizellen-so-funktioniert-social-freezing-a-997312.html
2. https://www.social-freezing-info.de/ablauf-social-freezing-behandlung-was-kostet-social-freezing
3. F. Nawroth: Reproduktionsmedizin. Vitrifikation. Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York. 2015; 75(09): 883-886.
4. Deutsches IVF-Register. In: J Reproduktionsmed Endokrinol. 9 (6), 2012, S. 453–484
5. A. Cobo, V. Serra: Obstetric and perinatal outcomeof babies born from vitrified oocytes. Fertility and Sterility. 102, Nr. 4, Okt 2014.
6. N. Noyes, E. Porcu, A. Borini: Over 900 oocyte cryopreservation babies born with no apparent increase in congenitalanomalies. Reprod Biomed Online. 18, Nr. 6, 2009.