An­drea Helten

Dr. Sylvia Bart­nitzky im In­ter­view mit Fer­tilly

Wenn je­mand viel Er­fah­rung auf dem Ge­biet des un­er­füllten Kin­der­wun­sches hat, dann ist es Dr. Sylvia Bart­nitzky. Die Gy­nä­ko­login ar­beitet seit Jahren mit dem Schwer­punkt auf Re­pro­duk­ti­ons­me­dizin und be­treut Paare und Single-Frauen auf ihrer Kin­der­wunsch-Reise. Im In­ter­view mit Fer­tilly spricht sie über Per­fek­tio­nismus und ge­sell­schaft­liche Scheu­klappen, über not­wen­dige früh­zei­tige Auf­klä­rung und warum wir uns nicht auf Glau­bens­sätze ver­lassen sollten, wenn es um un­seren Kin­der­wunsch geht.

Sylvia Barthnitzky

Frau Dr. Bart­nitzky, Sie sind Gy­nä­ko­login und Re­pro­duk­ti­ons­me­di­zi­nerin. Wie würden Sie den Schwer­punkt Ihrer Ar­beit be­schreiben? Wer kommt zu Ihnen?

Am An­fang habe ich ge­dacht, der Schwer­punkt meiner Ar­beit sei, alle Paare schwanger zu be­kommen. Mit der Zeit habe ich ge­lernt, dass, wie sehr sich die Paare, das Labor und ich uns auch an­strengen, ich nicht allen zum Er­folg ver­helfen kann.

Mitt­ler­weile ver­suche ich, die Paare auf diesem schweren Weg zu be­gleiten und zu gu­cken, dass sie so gut wie mög­lich durch eine solche Be­hand­lung kommen und schwanger werden.

Zu mir kommen alle, die sich ein Kind wün­schen, aber al­leine nicht wei­ter­kommen. Aber auch Frauen, die ihre Zu­kunft selbst in die Hand nehmen und nicht mehr darauf warten wollen, bis sie den „rich­tigen“ Partner ge­funden haben. Schließ­lich gibt es noch die Gruppe der jungen Frauen und zu­neh­mend mehr junge Paare, die „vor­sorgen“ wollen und Ei­zellen ein­frieren lassen.

Fast jedes zehnte Paar in Deutsch­land hat Schwie­rig­keiten, ein Kind zu be­kommen. Das ist eine große Zahl. Und dann gibt es noch die So­lo­mütter, die sich eben­falls ein Kind wün­schen …

Ja, und ich fürchte durch Fak­toren wie Um­welt­gifte, die lange nicht be­rück­sich­tigt wurden, und ge­sell­schaft­liche Fak­toren wird die Zahl noch größer werden.

Die Ge­sell­schaft hat sich stark ver­än­dert. Das klas­si­sche Fa­mi­li­en­bild löst sich auf, was ich per­sön­lich gut finde, aber die Auf­klä­rung zum Thema Fer­ti­lität und ihrer End­lich­keit steckt noch in den Kin­der­schuhen.

Frauen, die auf die 40 zu­gehen, bleiben ohne Partner, weil diese noch nicht be­reit für eine Fa­mi­li­en­grün­dung sind. Alle fühlen sich ewig jung, aber der Ei­er­stock spielt da leider nicht mit.

In Kürze er­öffnen Sie in Düs­sel­dorf Ihr ei­genes Kin­der­wun­sch­zen­trum. Was dürfen Ihre Pa­ti­en­tinnen und Pa­ti­enten er­warten?

Zu­sammen mit meinem Kol­legen Dr. Frank Bender möchte ich mit un­serem Zen­trum einen Ort des Wohl­füh­lens schaffen, wo wir auf die Be­dürf­nisse un­serer Pa­ti­en­tinnen und Pa­ti­enten ein­gehen und ein Ohr für die Sorgen haben können. Wir wissen, dass der Weg aus vie­lerlei Gründen schwer für un­sere Pa­ti­en­tinnen und Pa­ti­enten ist und wollen diesen so an­ge­nehm wie mög­lich ge­stalten. Wir wollen un­sere Pa­ti­en­tinnen und Pa­ti­enten gut in­for­mieren und ihnen eine Be­hand­lung auf einem hohen me­di­zi­ni­schen Ni­veau an­bieten.

Wir haben ein breites Port­folio ent­wi­ckelt, das auch die na­tür­li­chen Aspekte im Rahmen einer Kin­der­wunsch­be­hand­lung ge­wichtet. Nicht zu­letzt haben wir ein tolles Team aus Mit­ar­bei­tern und Ko­ope­ra­ti­ons­part­nern zu­sam­men­ge­stellt, das be­reits sehr mo­ti­viert am Start steht.

Warum ist es immer noch schwierig, offen über dieses Thema zu spre­chen? Wo liegt Ihrer Mei­nung nach das Tabu?

Ich denke, dass wir alle mit Glau­bens­sätzen wie „… in un­serer Fa­milie werden alle schnell schwanger …“ und „… pass bloß auf, dass du nicht schwanger wirst …“ groß ge­worden sind. Schwanger werden ist „na­tur­ge­geben“. Und auf einmal stellen wir fest, dass wir nicht schwanger werden, und darauf hat uns nie­mand vor­be­reitet. Die meisten leben in ihrem Per­fek­tio­nismus, Beruf passt, Haus ist schon ge­baut, Traum­partner da, aber ein Kind kann man nicht or­ga­ni­sieren oder kaufen, das ist ein Ge­schenk und liegt nur be­dingt in un­serer Macht.

Die Men­schen schämen sich teil­weise, das „Ein­fachste“ von der Welt nicht hin­zu­be­kommen. Ge­rade wir Frauen su­chen nach dem Grund und fragen uns ständig, was wir falsch ge­macht haben. Und als Mann sind Sie immer noch ein „toller Hecht“, wenn die Damen schnell schwanger werden, aber Sie können wohl kaum im Fit­ness­studio unter der Du­sche davon be­richten, dass das Sper­mio­gramm schlecht ist.

Schauen wir uns die Ge­sell­schaft und die Po­litik an: Was wäre Ihrer Mei­nung nach not­wendig, um dem Thema „Un­er­füllter Kin­der­wunsch“ den Raum zu geben, der ihm zu­steht? Wo muss die Po­litik jetzt aktiv werden? Bei der Ei­zell­spende, die in Deutsch­land nach wie vor nicht er­laubt ist?

Die Po­litik wird meiner Mei­nung nach von der Ge­sell­schaft und dem Stand der me­di­zi­ni­schen Mög­lich­keiten über­rollt und ist über­for­dert oder scheut eine sach­liche öf­fent­liche Dis­kus­sion. Aber die Men­schen sind nicht dumm. Wenn Sie das Thema Ei­zell­spende nehmen, scheuen viele Men­schen weder Kosten noch Mühen und gehen ins Aus­land, ob­wohl das Knowhow hier wäre.

Pol­kör­per­dia­gnostik (PKD) – da ar­beitet ein Teil der öf­fent­li­chen Mei­nungs­mache mit Ängsten und Schlag­wör­tern wie „De­si­gnerbaby“. In Spa­nien wird bei jeder Frau über 40 eine PKD/PID (Prä­im­plan­ta­ti­ons­dia­gnostik) ge­macht, weil wir wissen, dass es nur noch wenig ge­sunde Em­bryonen in diesem Alter gibt. So könnten wir uns Frauen eine Fehl­ge­burt er­sparen oder viele Ver­suche, die nicht hätten sein müssen mit den da­zu­ge­hö­rigen emo­tio­nalen Tal­fahrten.

So­cial Free­zing — hier un­ter­stellt die Ge­sell­schaft den Frauen, nur ihre Kar­riere im Sinn zu haben und ego­is­tisch zu han­deln. In Is­rael wird es als Vor­sorge von den Kran­ken­kassen über­nommen. Denn auch wirt­schaft­lich ge­sehen ist es güns­tiger, junge Ei­zellen ein­zu­frieren und damit später viel hö­here Schwan­ger­schafts­raten, we­niger Fehl­ge­burten und we­niger Ver­suche einer künst­li­chen Be­fruch­tung zu haben. Und ne­benbei könnten wir viel Leid min­dern.

Ich kann nur allen raten, sich einmal klar­zu­ma­chen, dass sich keiner meiner Pa­ti­en­tinnen je ge­wünscht hat, meine Dienste in An­spruch zu nehmen oder diesen schweren Weg gehen zu müssen.

Wo könnte man an­setzen für mehr Auf­klä­rung? In der Schule? Haben Sie Ideen?

Meiner Mei­nung nach müsste schon der Bio­lo­gie­un­ter­richt in der Schule ak­tu­eller sein und schon darauf hin­weisen, dass Frucht­bar­keit end­lich ist und durch Life­sty­le­fak­toren im po­si­tiven wie ne­ga­tiven Sinn be­ein­flusst werden kann. Ich bin in Schulen ge­gangen und habe den Un­ter­richt er­gänzt. Aber der Lehr­plan ist viel zu starr und bietet selten Raum für solche Ex­tra­stunden.

Die Ge­sell­schaft sollte fak­ten­ba­siert auf­ge­klärt werden. Es gibt durch die so­zialen Netz­werke so viele Mög­lich­keiten, sich zu in­for­mieren, aber eben auch viel „fake news“, und es ist sehr schwer zu er­kennen, wie gut das In­fo­ma­te­rial ist. Frau­en­ärzte müssten mehr Zeit für ihre Pa­ti­en­tinnen und Pa­ti­enten haben und ver­mehrt auf die Mög­lich­keiten der Prü­fung der in­di­vi­du­ellen Frucht­bar­keit hin­weisen. Al­ler­dings ver­drängen viele Men­schen auch sehr gut die Rea­lität und wollen War­nungen und Hin­weise auch nicht hören. Und wenn wir lesen, dass pro­mi­nente Per­sön­lich­keiten über 40 noch El­tern werden, dann steht da nicht, dass es eine Ei­zell­spende war.

 

Sie haben ge­meinsam mit dem Jour­na­listen Jo­chen Do­mi­nicus einen ei­genen Pod­cast mit dem Titel „Sprung im Ei – Der Kin­der­wunsch­pod­cast“ ins Leben ge­rufen. Was waren Ihre Be­weg­gründe, sich auch privat mit dem Thema aus­ein­an­der­zu­setzen?

Es ar­beitet schon seit Jahren in mir, dass meine Pa­ti­en­tinnen den weib­li­chen Körper, den Zy­klus, die Be­ein­flus­sung von Life­sty­le­fak­toren, usw. nicht kennen oder eher viel Geld für ir­gend­welche du­biosen Ta­bletten und Tees aus­geben, als sich in einem Kin­der­wun­sch­zen­trum vor­zu­stellen und be­raten zu lassen. Die Bot­schaft un­seres Pod­casts soll eine auf­klä­rende sein. Welche Mög­lich­keiten gibt es? Was können wir daraus ma­chen? Wie sehen die Zu­sam­men­hänge im Körper aus? Wir wollen keine Mei­nung vor­geben, denn das Thema ist viel zu per­sön­lich. Es gibt Men­schen, für die kommt eine künst­liche Be­fruch­tung nicht in Frage, was völlig in Ord­nung ist. Aber ent­schei­dend ist, warum haben sich die Men­schen so ent­schieden? Han­delt es sich wirk­lich um eine in­for­mierte Ent­schei­dung, oder haben sie nur ir­gendwas ge­lesen oder ge­hört, das ihnen Angst macht?

Wir wollen in einem ver­ständ­li­chen Deutsch kom­plexe Zu­sam­men­hänge er­klären, Angst vor dem Thema Kin­der­wunsch­be­hand­lung nehmen und, was ganz wichtig ist, zeigen, dass man nicht al­lein ist.

Wie ist das Format ent­standen?

Ich bin der An­sicht, dass der Be­reich Kin­der­wunsch und die Auf­klä­rung dar­über viel Ma­te­rial zu bieten hat und für ei­nige Men­schen wichtig sein könnte. Mir scheint, dass das Me­dium Pod­cast immer mehr Zu­wen­dung be­kommt und dann konnte ich Jo­chen für die Idee ge­winnen. Das Schöne ist, dass er keine Ah­nung zu dem Thema hat und mich dann immer erdet, wenn es zu kom­pli­ziert wird. Seine Frage stellt er aus der Sicht eines Laien, wobei mir wie­derum klar wird, welche Ver­ständ­nis­lü­cken es geben könnte.

Warum ist Ihnen per­sön­lich das Thema Auf­klä­rung so wichtig?

Weil ich ein Mensch bin, der daran glaubt, dass wir es alle ver­dient haben, eine Ent­schei­dung best­mög­lich zu treffen und die damit ver­bun­denen Kon­se­quenzen durch­zu­spielen. Dies ge­lingt aber nicht mit Be­glei­tern wie Halb­wissen und Angst oder fal­schen Glau­bens­sätzen. Und wenn ich auch nur we­nige er­reiche, denen klar wird, dass die Zeit drängt und die Frucht­bar­keit end­lich ist oder je­mandem die Angst vor einer Be­hand­lung nehmen konnte, dann habe ich schon ge­wonnen.

Über Dr. Sylvia Bart­nitzky:

Sylvia Bart­nitzky ist 48 Jahre, Gy­nä­ko­login und hat ihren Schwer­punkt auf gy­nä­ko­lo­gi­scher En­do­kri­no­logie und Re­pro­duk­ti­ons­me­dizin. Seit 15 Jahren ar­beitet sie im Kin­der­wunsch­be­reich.

Ge­rade ver­wirk­licht sie ihre Träume und macht den Schritt in die Selbst­stän­dig­keit, mit einem ei­genen Kin­der­wun­sch­zen­trum in Düs­sel­dorf. Sie be­treibt ge­meinsam mit dem Jour­na­listen Jo­chen Do­mi­nicus den Pod­cast Sprung im Ei. Die Ärztin ist ihrer Fa­milie, be­son­ders ihrem Mann und ihren drei Kin­dern, sehr dankbar, dass diese sie durch diese an­stren­gend schöne Zeit be­gleiten.

Wie wir helfen

Über Fer­tilly

Wir bei Fer­tilly haben es uns zur Auf­gabe ge­macht, Paare (homo- und he­te­ro­se­xuell) und Sin­gles auf dem Weg zur Er­fül­lung ihres Kin­der­wun­sches zu be­gleiten. Dabei ist es uns wichtig Trans­pa­renz im Be­reich der An­ge­bote zum Thema Kin­der­wunsch zu schaffen, In­for­ma­tionen und Wissen zu den Themen Schwan­ger­schaft und Frucht­bar­keit zu ver­mit­teln und Dir und Euch dabei zu helfen, die am besten pas­sende Kin­der­wun­sch­klinik zu finden. Durch Ko­ope­ra­tionen mit erst­klas­sigen Kin­der­wun­sch­zen­tren in Deutsch­land und im Aus­land werden An­fragen über Fer­tilly be­vor­zugt be­han­delt. Somit um­gehen un­sere Pa­ti­en­tinnen und Pa­ti­enten die sonst meist langen War­te­zeiten und kommen schneller an ihr Ziel.

Du möch­test Dich weiter über Kin­der­wun­sch­zen­tren, Er­folgs­raten und Preise in­for­mieren, melde Dich gerne über diesen Fra­ge­bogen bei uns. Wir be­raten Dich kos­tenlos und un­ver­bind­lich.

Wie läuft die Be­ra­tung ab?

  • Be­ant­worte uns im On­line For­mular erste Fragen um einen Termin zu bu­chen. So können wir im Ge­spräch besser auf Deine Be­dürf­nisse ein­gehen.

  • Wir finden den besten An­sprech­partner für Deinen kon­kreten Fall. Plane für die Be­ra­tung 20 Mi­nuten Zeit ein.

  • Wir stellen Dir das für Dich pas­sende Kin­der­wun­sch­zen­trum aus un­serem Netz­werk vor, ver­ein­baren einen Termin und be­gleiten Dich bis zum er­füllten Kin­der­wunsch.

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